Kommende Ausstellungen     |     Up-coming exhibits

7. März bis 11. April

Francesca Giabbiani

Solo show by Los Angeles based artist Francesca Gabbiani, known for her luminous paper collages depicting interiors and landscapes charged with a subtly uncanny atmosphere, often inspired by film backdrops or horror movies.

Francesca Gabbiani’s working methods are complex as layers of paper are intricately cut out and collaged on top of one another. The process is a breaking down of an image through color and then reconstructing that same image through stratifications. These layers create a depth and perspective that is both painterly and sculptural. Gabbiani directs the material, colored paper, to have dramatic effects.

The show in Zuoz presents her most recent body of work and research.

18. April bis 4. Juli 2020

Maya Grieser: Radierungen  -  hier und anderswo

Galerie Il Salice - Castasegna

2. Juni bis 20. Oktober 2020
Giovanni Segantini als Porträtmaler

Sonderausstellung im Segantini Museum
kuratiert von Prof. Annie-Paule Quinsac und Dr. Mirella Carbone

«Man muss zugeben, dass das Porträt das Anspruchsvollste im Künstlerischen und Bildnerischen ist»

Berühmt wurde Giovanni Segantini bereits zu Lebzeiten als Landschaftsmaler, ja als grosser Erneuerer der Alpenmalerei. Er selbst allerdings schätzte eine andere bildkünstlerische Gattung als die edelste ein, nämlich das Porträt, da es «das Erforschen des menschlichen Antlitzes zum Ziel hat». Bildnisse seien Studien, «die mit der grössten Einfachheit der Mittel das wirksamste Wort der Kunst im Ausdruck der lebendigen Form umfassen.»

Obwohl viele Porträts aus Segantinis Hand immer wieder in Ausstellungen zu sehen waren, standen sie bislang nie im Zentrum einer expliziten Auseinandersetzung. Mit einer zwar kleinen, aber qualitativ hochstehenden Auswahl von Bildnissen (und Selbstbildnissen) aus öffentlichen und privaten Sammlungen möchte das Segantini Museum diese Lücke schliessen. Gezeigt werden sehr intime Zeichnungen, wie jene des dreijährigen Sohnes Gottardo nach einer Operation, sowie repräsentative Gemälde wie die Porträts der Geschwister Vittore und Leopoldina Grubicy, die zu den schönsten Beispielen von Segantinis Talent als «Erforscher des menschlichen Antlitzes» gehören.

 

20. Juni bis 18. Oktober 2020
Ladina Gaudenz: Im Spiegel des Cavlocs 

Sonderausstellung in der Chasa Jaura.

Die Künstlerin kuratiert ihre Ausstellung selbst.

 

Bergseen und ihre Spiegelungen malen: Es lässt sich kaum ein abgegriffeneres und durch Bergklischees sowie touristische Farbkalender mehr vereinnahmtes Motiv finden! Ladina Gaudenz schert sich einen Deut darum und setzt sich unbeeindruckt über solche Ansichten hinweg, ganz ohne sich durch eine hintergründige Ironie zu verstecken. Sie liebt es, sich auf Messers Schneide zu bewegen! Die Herausforderung nimmt sie mit einer überlegenen und schelmischen Lockerheit an. Und gibt ihren Gefühlen aufgrund der Natur Ausdruck, indem sie das Thema zwischen figürlicher Darstellung und Abstraktion, zwischen sinnlicher Intuition und durchdachtem Konzept, zwischen Entzücken über das Motiv, Befragung der Weltlage sowie leisen Anspielungen auf die Kunstgeschichte neu erfindet.

Im Engadin geboren, ist sie mit dem gleissenden Licht der Hochebene aufgewachsen, und die steile und grossartige Landschaft hat ihren Gang geprägt. Ihre künstlerische Ausbildung eignete sie sich an der HEAD in Genf an, wo sie Städterin und seither sesshaft geworden ist. Aber sie hat ihre Wurzeln nie vergessen. Regelmässig kehrt sie dorthin zurück, um sich zu erholen und der Zeit auf den Zahn zu fühlen. Denn seit sie von ihren Bündner Bergen heruntergestiegen ist, sind die Natur, ihr Stellenwert und die Rolle im Leben der Erde und deren Einwohner zu wichtigen Themen der Gegenwart geworden. Sie beschwört alle Bedrohungen herauf, die auf dem zerbrechlichen Ökosystem lasten, und alle Hoffnungen, welche in die Wirksamkeit der nachhaltigen Entwicklung gesetzt werden.

Seit jeher schwingt die Malerei von Ladina Gaudenz zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit hin und her; diese rasche Bewegung veranlasst sie, die Wirklichkeit
mal unmittelbar anzupacken, oder sie mal zusammenzufassen und im übertragenen
Sinne zu behandeln. Im Verständnis der Künstlerin widersprechen sich diese beiden Arten, die Welt einzufangen, nicht, noch schliessen sie sich aus. Im Gegenteil, sie befruchten und ergänzen einander wie zwei Seiten derselben Wirklichkeit. Im Sommer
2013 setzte sich das Bedürfnis, den direkten Kontakt mit der Natur wieder aufzunehmen, durch. Der kleine, einsam gelegene See von Cavloc und die grösseren und häufiger aufgesuchten von Sils oder Silvaplana bildeten den glücklichen Gegenstand ihrer
emsigen Pinsel. Mehr noch als die Formen und Orte sind es das Licht und die Farbe, welchedie beiden Hauptachsen von Ladina Gaudenz’ Malerei bilden. Sie verweisen hier auf die intensive Helligkeit in der Höhe, auf die geradezu übernatürliche
Transparenz der Bergseen und auf die Leuchtkraft der Farben, welche jeden Morgen von der kristallinen Luft des Oberengadins wie frisch gewaschen wirken.

Dennoch gibt es nichts Naturgetreues in ihrer Palette. Auf Spaziergängen hält sie Naturschauspiele mittels der Fotografie zwar spontan wie in einem Skizzenheft fest. Aber im Atelier geht die Malerei andere Wege. Sie versucht sich in seriellen Anordnungen, fächert sich in verschiedene Formate auf, beschränkt sich auf wenige, starke Farben, die sie alles anderes als wirklichkeitsnah auf einen mit einem einzigen Ton bestrichenen Grund – Orange, Blau, Petrol, Hellblau, Beige, Schwarz –setzt.

Und hier tritt die Geste in Erscheinung. Verwandt mit derjenigen der Zeichnung, ja des Schreibens, zeigt sie sich schnell, locker, beweglich, zittrig. Sie beschwört die Flüchtigkeit der Kalligraphien aus dem Fernen Osten herauf, jedoch fern jeder sinisierenden oder japanisierenden Nachahmung. Es handelt sich vielmehr um ein Schriftbild nach der Natur, welches verkürzt, losgelöst und völlig frei, Tannen, Felsen, Bergverläufe, Wolken und Spiegelungen festhält. Vollkommen unbewegt und durchsichtig oder nur leicht gekräuselt wirkt die Seeoberfläche wie ein Bildschirm, auf welchem die Formen entstehen und verschwinden, wo sie erscheinen und sich verwischen, verschwimmen, auseinandergehen. Alles wirkt fliessend und endlos, in der Schwebe und in steter Verwandlung, zwischen vorübergehender Auflösung und ebenso vergänglicher Wiederherstellung. Zeichnung oder Gemälde, jedes Werk besitzt seine Eigenständigkeit. Es kann sich aber auch als Teil einer Folge lesen lassen, wie eine Partitur, die ihre Themen und Variationenausspielt.

Haben wir es noch mit Figurativem oder schon mit Abstraktion zu tun? Um das geht es nicht. Auch wenn die Malerei von Ladina Gaudenz schon ungegenständlicher dahergekommen ist, ist sie hier abstrakt im ausgeprägt etymologischen Sinn von abs-tracta, will heissen «abgezogen von». Wie auch immer man es dreht, ihre Malerei leitet sich stets von der Natur ab. Wie beim grossen Gerhard Richter bleibt der Weltbezug Grundpfeiler des Werkes, sei er auch eine Illusion, ein unbestimmter oder wechselhafter Schein. Als Antwort auf das Unergründliche der Wirklichkeit erfindet die Malerei sich eine andere, eigene Realität, eine künstlerische. In ihren Bündner Seen offenbart sich die Landschaft und gibt durch ihre Spiegelungen zum Nachdenken Anlass. Das Gesehene kippt, der Blick verkehrt und verwirrt sich, taumelnd angezogen „von der anderen Seite des Spiegels“ („De l’autre côté du miroir“).